{"id":22307,"date":"2025-12-22T14:05:50","date_gmt":"2025-12-22T13:05:50","guid":{"rendered":"https:\/\/nord.humanwirtschaftspartei.de\/?p=22307"},"modified":"2025-12-22T14:10:43","modified_gmt":"2025-12-22T13:10:43","slug":"damals-wars-sind-sie-nicht-auch-der-meinung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nord.humanwirtschaftspartei.de\/?p=22307","title":{"rendered":"Damals war&#8217;s : &#8222;Sind Sie nicht auch der Meinung?&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein k\u00fcrzlich verstorbener erfolgreicher Musiker soll in seinem letzten Willen verf\u00fcgt haben, es d\u00fcrfe kein Rappen seines Geldes zur Unterst\u00fctzung armer Berufskollegen verwendet werden. Der T\u00fcchtige setze sich durch und habe Erfolg, der weniger T\u00fcchtige m\u00f6ge die Kunst meiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist zweierlei gesagt: Nur der Erfolgreiche ist t\u00fcchtig (wohlgemerkt: der bei Lebzeiten Erfolgreiche, und, da der fragliche verstorbene Musiker schon bei Lebzeiten erfolgreich war, gibt er durch seine Meinungs\u00e4u\u00dferung der Nachwelt auch zu verstehen, da\u00df er sich selbst f\u00fcr einen t\u00fcchtigen, gro\u00dfen Musiker h\u00e4lt. Das Ganze scheint uns eine letzte kleine Eitelkeit zu sein, und wir glauben, da\u00df Franz Schubert in einer anderen Welt seinen gro\u00dfen Kollegen mit einem kleinen verzeihenden L\u00e4cheln begr\u00fc\u00dfen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind nicht der Auffassung, da\u00df man K\u00fcnstler immer durch gro\u00dfz\u00fcgige Geschenke f\u00f6rdern kann. Dies ist eine Methode, die nur in wenigen F\u00e4llen zum Ziel f\u00fchrt. Wir sind aber auch nicht der Auffassung, da\u00df der \u00e4u\u00dfere Erfolg von der Gr\u00f6\u00dfe eines K\u00fcnstlers zeugt. Die k\u00fcnstlerische Leistung ist keine Ware, die man von der Materialpr\u00fcfungs-Anstalt der ETH pr\u00fcfen lassen, w\u00e4gen, messen &#8211; z. B. am Erfolg messen &#8211; und bewerten kann. Da aber schaffende und werdende K\u00fcnstler nicht nur von ihrem K\u00fcnstlertum allein leben k\u00f6nnen, ist f\u00fcr viele K\u00fcnstler die materielle Frage brennend, und die m\u00fcssen die \u00c4u\u00dferung unseres Erfolgreichen als vielleicht folgenschwere Deklassierung empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen es daher deutlich sagen: Es ist nicht wahr, da\u00df nur der Erfolgreiche ein wirklicher K\u00fcnstler ist. Er ist im Gegenteil sehr oft nur einer,der es versteht, sich geschickt in Szene zusetzen. Es ist nicht wahr, das der Erfolglose immer ein unt\u00fcchtiger St\u00fcmper sei, der besser die Kunst lassen w\u00fcrde. Leider, leider leben oft  G r o \u00df e  in bitterster Armut. Es gibt nicht nur Schubert, es gibt unter vielen anderen auch einen gro\u00dfen, ber\u00fchmten franz\u00f6sischen Maler, der bei Lebzeiten nur ein einziges Bild verkaufen konnte, es gibt Bilder, die heute Ehrenpl\u00e4tze in den gro\u00dfen Galerien einnehmen und gro\u00dfe Werte repr\u00e4sentieren, die vom K\u00fcnstler gegen ein warmes Mittagessen fortgegeben werden mu\u00dften. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Gewi\u00df, der Erfolg beweist eine gewisse T\u00fcchtigkeit, aber er beweist nicht die T\u00fcchtigkeit als K\u00fcnstler; er beweist nur, da\u00df der Erfolgreiche die T\u00fcchtigkeit besa\u00df, seine F\u00e4higkeiten zur Geltung zu bringen und da\u00df es ihm gelang, diese Geltung in klingende M\u00fcnze zu verwandeln. Es ist also die T\u00fcchtigkeit des erfolgreichen Gesch\u00e4ftsmannes. Wenn sich diese T\u00fcchtigkeit mit wirklichem K\u00fcnstlertum paart, und wenn die Kunst sich diese T\u00fcchtigkeit in allen F\u00e4llen unterordnet, ist es ein seltener Idealfall. Gibt es ihn?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, da\u00df viele K\u00fcnstler in materieller Not lebten und leben, zeigt uns, da\u00df der andere Fall h\u00e4ufiger ist. Gegen diese K\u00fcnstler den Vorwurf der Unt\u00fcchtigkeit zu erheben, ist ungerecht [im Original: <em>&#8222;,ist ein Verbrechen&#8220;<\/em>]. Denn wenn auch nicht jeder Erfolglose ein K\u00fcnstler ist, und wenn es unter Erfolglosen nur einen wirklichen K\u00fcnstler g\u00e4be, w\u00e4re es doch eine Ungerechtigkeit [im Orig.:<em>&#8222;ein<\/em><em>Verbrechen<\/em>]. Der Erfolglose ist, weil weniger robust und selbstgef\u00e4llig, weil weniger k\u00e4mpferisch, leicht zu verwunden und zu t\u00f6ten. Wer m\u00f6chte sich des Rufmordes [im O.: <em>&#8222;<\/em><em>Mordes<\/em><em>&#8222;<\/em>] schuldig machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir auch nicht der Auffassung sind, da\u00df man K\u00fcnstler in allen F\u00e4llen durch Geschenke f\u00f6rdern kann, sind wir doch der Auffassung, da\u00df manchmal ein Geschenk, auch ein kleines, bei dem der Geber anonym bleiben sollte, Wunder wirken k\u00f6nnte. Weihnachten steht vor der T\u00fcr. Wie w\u00e4re es, wenn wir an irgend einem armen K\u00fcnstler die dumme Bemerkung seines erfolgreichen Kollegen gutmachen w\u00fcrden? Oder wollen wir uns damit begn\u00fcgen, dem Kunstschaffen in Zukunft etwas mehr Interesse entgegenzubringen, Ausstellungen, Konzerte und Theater zu besuchen? Was in dieser Richtung geschieht ist gut. Doch am besten handelt, wer den K\u00fcnstler ermutigt und durch Bezahlung seiner Kunst die Grundlage seiner materiellen Existenz schaffen hilft. Man k\u00f6nnte doch zu Weihnachten auch Konzert- oder Theaterkarten, Bilder, B\u00fccher oder andere Kunsterzeugnisse schenken. Gerade die Menschen mit der anderen T\u00fcchtigkeit h\u00e4tten alle Ursache dazu. Ihr Leben w\u00fcrde sch\u00f6ner und reicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus: RSF Mitteilungen, Nr. XXI, Dezember 1948, Seite 5 (RSF = Radikal Soziale Freiheitspartei)<\/p>\n\n\n\n<p>(Bearbeitung Red. Humanwirtschaftspartei Nord)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommentar Redaktion Humanwirtschaftspartei Nord:<\/strong> Der Artikel wurde in der von materieller Not gepr\u00e4gten Nachkriegszeit ver\u00f6ffentlicht. Eines unsinnigen, f\u00fcrchterlichen Krieges, angezettelt von einem gro\u00dfmannss\u00fcchtigen Diktator und seinem Gefolge, mit Unterst\u00fctzung vieler aus der deutschen Bev\u00f6lkerung, die in der wirtschaftlichen Mangellage die Juden als S\u00fcndenb\u00f6cke daf\u00fcr verantwortlich machten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch heute erinnert manches an damals. Ein v\u00f6lkerrechtswidriger \u00dcberfall der Ukraine auf Befehl eines undemokratischen Regimes in Russland; Ausl\u00e4nder, die als vermeintliche Verantwortliche f\u00fcr wirtschaftliche Schwierigkeiten herhalten m\u00fcssen. Vielen kann es auch in unserem Land mit den Abschiebungen gar nicht schnell genug gehen. W\u00e4re es nicht besser mal nach den Ursachen zu fragen? Anzumerken w\u00e4re in diesem Zusammenhang, da\u00df Deutschland mit seinem gro\u00dfen Export\u00fcbersch\u00fcssen seit Jahrzehnten Tausenden in anderen Teilen der Welt die Arbeit wegnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo bleibt da eigentlich die Mitmenschlichkeit, wo die christliche N\u00e4chstenliebe??? Die Bibel sagt in der Apostelgeschichte 20, Vers 35: &#8222;Geben ist seliger als nehmen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei haben die einstigen wie heutigen finanziellen Engp\u00e4sse, die weltweite, ungleiche Verm\u00f6gensverteilung viel mit dem falschen Umgang mit dem Tauschobjekt &#8222;Geld&#8220; zu tun, das immer noch als zinsbringendes Anlagemittel zu dieser ungerechten Verteilung beitr\u00e4gt. Die Folge sind unter anderem Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me, Umweltzerst\u00f6rung, fehlende Gelder in der Pflege, der Infrastruktur, der Bildung und Rente oder im Gesundheitswesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich der Kunst ist jetzt noch nicht absehbar, in wie weit die k\u00fcnstliche Intelligenz Kulturschaffende brotlos machen wird. Wir bitten alle Nutzer*innen diesen Gesichtspunkt bei der Anwendung der \u00e4u\u00dferst stromhungrigen KI zu bedenken, nicht nur zur Weihnachtszeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein k\u00fcrzlich verstorbener erfolgreicher Musiker soll in seinem letzten Willen verf\u00fcgt haben, es d\u00fcrfe kein Rappen seines Geldes zur Unterst\u00fctzung armer Berufskollegen verwendet werden. 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